Brandenburgischer Pädagogen-Verband

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Kreisverband Oberspreewald – Lausitz

  • kleiner Kreisverband, der sich aus den Bereichen um Calau und Senftenberg aus vielen kleineren Ortschaften zusammensetzt (Ausdehnung ca. 70 km)
  • regelmäßige Infos über bildungspolitische Entwicklungen werden per Email an alle Mitglieder weitergeleitet
  • zweimal im Jahr finden Treffen der Mitglieder statt
    (Sommertreffen: terminlich immer um den „Lehrertag“ gelegen, Wintertreffen: Anfang Dezember)
Collage des Kreisverbandes

Kreissprecherin:

Anke Burdack

Stellv. Kreissprecherin:

Karin Dittrich

Kassenführer:

Ralph Fritzsch

  • Mitglied im BPV seit 1992
  • Kreissprecher seit 2005
  • Mitglied im Personalrat seit 2010
  • Förderschullehrerin
  • burdack@bpv-vbe.de
  • Gründungsmitglied seit 1990
  • Lehrerin für den Primar- und 
    Sek.I Bereich
  • Gründungsmitglied des BPV
  • seit 1990 Kassenführer
  • Oberstufenkoordinator

Sagentour des BPV-Kreisverbandes OSL

Liebe Mitglieder des BPV in OSL,

 

Der Spreewald ist für seinen Sagenreichtum bekannt.

Am 13.06.2017 geht deshalb der Kreisverband OSL im Rahmen des jährlichen Sommertreffens in Lübbenau auf Sagentour.

Wir treffen uns um 17.00 Uhr an der Touristeninfo Lübbenau, Ehm-Welk-Str. 15,

laufen ca.1,5 h und essen dann ab 19.00 Uhr im Café “Zeitlos” Flammkuchen.

 

Die Sagentour ist für Mitglieder des BPV kostenfrei, die Finanzierung des Essens regeln wir vor Ort.

Es können auch Partner / Nichtmitglieder an der Tour teilnehmen, diese zahlen dann für die Tour 6,00 €.

 

Nun warte ich bis zum 24.05.2017 auf Ihre Anmeldungen.

Schön wäre, wenn auch Mitglieder dabei sein können, die noch nicht in unserer Runde bekannt sind.

 

Liebe Grüße

Anke Burdack

BPV-Kreisverband OSL
Tel.: 035434/12601
E-Mail:  burdack@bpv-vbe.de

 

 


Gedanken zur Arbeitszeit der Lehrkräfte

Das MBJS veröffentlichte im September 2007 einen Leitfaden „Aufgaben des päd. Personals an Schulen in öffentlicher Trägerschaft im Land Brandenburg“ . Hier sind u.a. folgende Aufgaben für Lehrkräfte aufgeführt:

  • Unterricht
  • Bildung und Erziehung
  • Beratung
  • Bewertung
  • Schulische Verwaltungsaufgaben
  • Leitung einer Klasse/Tutorengruppe  
  • Leitung einer Jahrgangsstufe

Eigentlich hätte ein guter Lehrer mit diesen Aufgaben genug zu tun, die 40 Stunden Arbeitswoche eines Beamten (das sind ja die meisten Kollegen) wäre voll ausgefüllt.

Wer ein engagierter Lehrer ist (schwarze Schafe gibt es in jeder Berufsgruppe!) wird wissen, dass viele Kollegen mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten. Ich selbst addierte einmal meine Arbeitszeit zusammen und kam in einer Woche auf 52 Stunden, die ich für mein Berufsleben eigespannt war. Nun gut, wir haben auch die Ferien… Aber die haben wir auch regelmäßig bitter nötig. Und wenn wir am Sonntag wieder am Schreibtisch sitzen und uns auf den Unterricht am Montag vorbereiten, dann ist das ja auch Arbeitszeit …. So habe ich selbst in den Ferien auch kein schlechtes Gewissen mehr zuhause zu sein, wenn andere Berufsgruppen früh raus müssen.

Und welche Aufgaben sollten wir nun auch noch übernehmen?

Jede Schule schreibt in den zukünftigen Jahren seinen eigenen schulinternen Rahmenlehrplan.
Wer durchzählt, wie viele Fächer in einer Schule unterrichtet werden und wer mitzählen kann, wie viele Kollegen an einer Schule arbeiten weiß, dass fast jeder Kollege an einer kleineren Schule allein für ein Fach die Verantwortung trägt. Im ländlichen Raum sind große Schulen fast nur noch in der Schulform Gymnasium zu finden, die Grundschulen kommen teilweise mit weniger als 10 Kollegen aus.

Als Grundlage für die Schulinternen Rahmenpläne gibt es eine „Bibel“ - Curriculum (gefühlte 1000 Seiten), die keiner mit ins Bett nehmen kann, die kaum auf dem Schreibtisch Platz hat, die eigentlich nur am Rechner gelesen werden kann. Unsere Aufgabe ist es quer zu lesen, das heißt, viele viele verschiedene Seiten (Kompetenzbereiche und Standards, Themen und Inhalte, Bezüge zu den Basiscurricula, Bezüge zu übergreifenden Themen, Fächerverbindende Bezüge … und gaaanz wichtig: die Medienkompetenz) müssen miteinander verknüpft werden, um den „eigenen“ Plan zu schreiben.

Ja, wir arbeiten dran, er muss nicht gleich fertig sein, er wird ja im nächsten Schuljahr erst eingeführt und dann geht’s weiter…
Aber es gibt auch Schulen, Schulleiter, übereifrige Kollegen, die denken, der Plan müsse zu Beginn des kommenden Schuljahres stehen. Ich sage da nur: falsch und selbst Schuld.

Aber eigentlich sind genau diese Kollegen ja daran interessiert, dass Schule noch nach Plan funktioniert.
Das Ministerium gibt uns (hoffentlich guten Gewissens) die Freiheit: wir probieren erst einmal, mal sehen, was raus kommt („Versuche am lebenden Objekt“). Keiner muss, aber alle machen mit.

Jede Schule schreibt seinen eigenen Plan - wie viel Arbeitszeit da verbrannt wird.
Die Erarbeitung des Curriculums hat auch Zeit in Anspruch genommen – es wurde viel aufgeschrieben, immer nach dem Motto: neue Pläne - alles (in diesem Fall die Bildung) wird besser. Wer‘s glaubt…?

Es ist schlimm zu wissen, dass es sicher Eltern gibt, die mit ihren schulpflichtigen Kindern umziehen. Schließlich erwartet man ja in unserer Gesellschaft Flexibilität am Arbeitsplatz. Demzufolge müssen die Kinder dann auch die Schule wechseln. Im schlimmsten Fall lernt dann ein Kind zwei Jahre hintereinander die gleichen Inhalte oder es fehlt Grundwissen, das an der „neuen“ Schule schon im vergangenen Jahr unterrichtet wurde. Das auszugleichen ist dann wieder „nach umfangreichem Studium des Kindes“ Aufgabe des Lehrers mit dem individuellen Förderplan.

Und für uns Kollegen ist es schlimm zu wissen, wie das Ministerium mit unserer Arbeitszeit und mit unserer Kraft umgeht, die wir ja in die Erarbeitung des neuen Schulinternen Rahmenplans stecken müssen.                                                                                                                                                                   Die eigentliche pädagogische Arbeit, nämlich die Vorbereitung und Nachbereitung des Unterrichts, die ständig steigenden Anforderungen an die Differenzierung (Inklusion), die Zusammenarbeit mit Eltern und allen anderen geforderten multiprofessionellen Partnern kommt dabei zu kurz.

Der Knaller ist nun auch noch die neuerliche Diskussion um die Schulnoten.

Geht’s noch?

Vielleicht ist das die Reaktion auf die Feststellung, dass mit den Niveaustufen des neuen Rahmenlehrplans (noch?) keine sinnvolle Bewertung möglich ist.

Die Gesellschaft (Eltern, Berufswelt…) ist überhaupt nicht auf Worturteile eingestellt, kann mit Worturteilen wenig anfangen, mal abgesehen davon, dass es da ja dann auch wieder möglich ist, dass „Fritzchen“ von Kollege A. ganz anders „interpretiert“ wird , als von Kollege B.
Und gut überlegte und wohl durchdachte Worturteile erfordern auch viel viel Zeit (jeder, der schon Beurteilungen geschrieben hat, weiß das).

Dann gibt es in der oben genannten Veröffentlichung des MBJS aber noch den Passus:

  • Aufgaben der/des Leiterin/Leiters einer Fachkonferenz

Hier heißt es u.a.: Der Leiter einer Fachkonferenz hat die Aufgabe, – die Arbeit der Fachkonferenz in Abstimmung mit der Schulleitung zu koordinieren, – die laufende Fortschreibung der schuleigenen Lehrpläne/ des schulinternen Curriculums zu organisieren, – Abstimmungen mit den anderen Fachkonferenzen der Schule über allgemeine Richtlinien durchzuführen, – die Beschlüsse der Konferenz der Lehrkräfte umzusetzen, – die Zusammenarbeit mit Fachkonferenzen anderer Schulen zu koordinieren, – für die Umsetzung der Beschlüsse der Fachkonferenz zu sorgen… und – mit Vertreterinnen und Vertretern des B.U.S.S. zusammenzuarbeiten.

Nach diesem Leitfaden kommen wir an der Verfassung der schulinternen Rahmenlehrpläne nicht vorbei. Wie bindend Leitfäden für unsere Arbeit sind, dass sollen andere prüfen.

Ich bin Fachkonferenzleiter und eigentlich gern Lehrer und hoffe, ich habe die Kraft es noch ein paar Jahre zu sein. Und es schmerzt mich sehr in der Gesellschaft immer wieder zu hören: „Bloß gut, mein Kind ist durch diese Bildungssystem durch. Hoffentlich hat sich bis zur Einschulung der Enkel etwas getan….“  Schließlich bin ich selbst „ein Teilchen“ diese Bildungssystems.
UND auch ich werde älter und merke, wie die Kraft schwindet.

Anke Burdack
(Förderschullehrerin, Fachkonferenzleiterin Deutsch, Personalratsmitglied, Kreissprecherin des BPV in OSL und Mutter einer vierköpfigen Familie)


Sind Förderschulen wirklich so schlecht?

Quelle: Lausitzer Rundschau vom 04.09.15

Kommentar von Anke Burdack, Vorsitzende des BPV-Kreisverband Oberspreewald-Lausitz und Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen


Da steht man morgens auf, ist in Gedanken immer noch beim letzten Arbeitstag und bereitet sich auf den nächsten vor….

Kaffeemaschine an, Zeitung reinholen und dann oben links (so fängt man ja an ein Buch zu lesen) der Kommentar des Oliver HAUSTEIN-TESSMER….

Das ist demotivierend für den Tag. Aber wie kommt der Mann zu der Meinung, dass Schüler mit Handicap besser in Regelschulen statt in Förderschulen unterrichtet werden sollten? 
Aha, die Bertelsmann-Stiftung hat wieder eine Studie veröffentlicht. Un der ist zu entnehmen, dass der Inklusionsgrad in Brandenburg zu niedrig ist.  

 

Ich bin seit mehr als 25 Jahren Lehrerin an damals Hilfsschulen, jetzt Förderschulen „Lernen“, habe die Ausbildung zu diesem Beruf und brenne für „meine“ Schüler (fragen sie mal meine Familie, wie ausgebrannt ich oft nach Hause komme).

 

In diesem Jahr habe ich eine 8. Klasse übernommen, in der 16 Schüler lernen.

Das ist für eine Förderschule viel -  zu viel – früher, also bis vor etwa fünf Jahren, wurde ab 16 Schüler die Klasse geteilt. Heute ist das nicht mehr möglich – Dank verfehlter Inklusionspolitik. Denn die Förderschulen „Lernen“ müssen ja „auslaufen“, die Schüler sollen schließlich an den Regelschulen unterrichtet werden – damit die Quote passt.

Um die Schüler geht es hier nicht mehr.

Wenn es nach den Eltern geht, könnten in meiner 8. Klasse noch mehr Schüler sitzen. Meine Schulleitung musste diese Eltern mit ihren Kindern schon abweisen, da eine noch größere Schülerzahl räumlich und auch pädagogisch nicht vertretbar ist. Der Wunsch nach Aufnahme in die Förderschule ist also da, denn wir machen gute Arbeit.

Resultierend daraus könnte man jetzt denken, na wenn die Schüler lieber an der Förderschule lernen wollen, was machen denn dann die Regelschulen falsch?

 

Die Schulen selbst wenig, das System ist unüberlegt. Man kann eben in einer Klasse mit einem Lehrer nicht die Hochbegabten fordern, die „Durchschnittsschüler“ bei der Stange halten  und die diagnostizierten (oder auch immer öfter nicht diagnostizierten) Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf fördern.

DAS packt EIN Pädagoge nicht. Und die Sonderpädagogen, die hoffentlich schon an den Schulen angekommen sind, haben durchschnittlich 3 Unterrichtsstunden pro Woche (eine Schulwoche hat ca. 30 Stunden) Zeit, um sich in kleineren Lerngruppen um diese Kinder zu kümmern. Da ist es wohl klar, dass diese Förderung NICHT reichen kann. Oft werden diese Fördergruppen auch aufgelöst, da der Sonderpädagoge Vertretungsunterricht leisten muss – die Förderung der Förderschüler fällt also ganz weg.

 

Und dann geht es in dem Kommentar von Herrn Haustein-Tessmer um die Abschlüsse…

Erst einmal möchte ich feststellen, dass in meiner letzten 10. Klasse an der Förderschule jeder Schüler einen Abschluss geschafft hat!

Nur der Abschluss der Förderschule wird von der Kultusministerkonferenz nicht anerkannt! In meiner 10. Klasse (10 Schüler) haben auch 4 Schüler den Abschluss der Einfachen Berufsbildungsreife geschafft, also der Abschluss, auf den in diesem Kommentar so viel wert gelegt wird.

Ich habe mir die Aufgaben und Tests der einzelnen Schulformen angesehen und verglichen.

Das Niveau der Abschlussarbeiten ist an „meiner“ Schulform NICHT wesentlich geringer, als an den Regelschulen. Ganz im Gegenteil, auch hier wären Vergleiche lohnenswert.

 

Und dann ist für mich die Persönlichkeitsentwicklung der Menschen immer wichtig.

Glaubt der Kommentator wirklich, wenn einem Menschen sein Schulleben lang immer wieder Versagen vor die Nase gehalten wird, dann entwickelt er sich gut? Das ist bei einer Beschulung in einer Regelklasse für den Lernbehinderten nämlich der Fall, er ist dort das potenzielle „Opfer“.

In einer Förderschulklasse gibt es aber auch Schüler die dort zur Leistungsspitze gehören, die dann in Kulturprogrammen der Schule die Hauptakteure sind, die Klassensprecher werden und Verantwortung übernehmen lernen….

 

UND man sollte wirklich nicht vergessen, dass die Bevölkerungsstruktur in unserer ländlichen Region doch anders geworden ist, als sie vor 25 Jahren war. Nach der Wende sind viele gut ausgebildete junge Leute in die alten Bundesländer verzogen, haben da ihren Lebensmittelpunkt gefunden und Familien gegründet.

Zurück blieb eine Generation mit oft niedrigem Bildungsniveau und deswegen hohem Arbeitslosenrisiko. Diese Konstellation (und ich denke da werden mir wohl viele zustimmen) ist nicht förderlich für deren Kinder und ihrer Bildungskarriere.

Und genau um die Kinder dieser „Nachfolgegeneration“ geht es hier. Wir müssen versuchen diese jungen Leute in unserer Region zu halten und für den gesellschaftlichen Prozess fit zu machen. Das geht aber nicht, wenn man Kinder, denen das Lernen schwerer fällt, in der Klasse „abparkt“ und mit für ihren Leistungsstand entsprechenden Arbeitsblättern bedient.

 

Grundsätzlich: meine Kollegen und ich befürworten die Inklusion. Allein die Tatsache, dass wir uns für ein Studium als Förderschullehrer entschieden haben, also den Schwächeren unserer Gesellschaft helfen wollen, und dass wir immer noch an einer Förderschule arbeiten, spricht dafür.

Nur Inklusion ohne ZUSÄTZLICHE finanzielle und personelle Mittel durchsetzen, wie das zurzeit. in Brandenburg zu oft praktiziert wird, geht eben nicht. Da bleiben die Schüler auf der Strecke und die Lehrer werden kaputtgespielt.

Und das kommt in diesem Kommentar überhaupt nicht zum Ausdruck!


Behinderungen überwinden - zur Umsetzung von Inklusion in Brandenburg (speziell im OSL-Kreis)

Von Anke Burdack, Vorsitzende des BPV-Kreisverbandes OSL und Förderschullehrerin

 

Am 07.05.2014 trafen sich viele interessierte Menschen aus der Region zu einer Informationsveranstaltung zum oben genannten Thema in der ASB Begegnungsstätte in Senftenberg.

Organisiert wurde diese Veranstaltung von der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit und vom Brandenburgischen Pädagogen-Verband – Kreisverein OSL.

Im Podium saßen Herr Wilfried Brödno (Dezernent für Bildung, Finanzen und Innere Verwaltung in OSL), Andreas Büttner MdL (Vorsitzender und bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag Brandenburg), Jürgen Dusel (Beauftragter der Landesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderungen, Leiter des Referats Bildungspolitik) und Gabriele Theiss MdL (Kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Land Brandenburg).

 

Ein Impulsreferat geführt von Frau Delia Schäfer (Inklusionsbeauftragte des Landkreises OSL) informierte über den Stand der Umsetzung der Inklusion im OSL-Kreis. Grundlage war die Erarbeitung des „Konzepts: Schritte auf dem Weg zu einem inklusiven Bildungssystem im Landkreis OSL – Phase 1: Von der Kita bis zum verlassen der Grundschule“, das viele interessante Anregungen zu Diskussionspunkten enthält und auch offen über anstehende und noch zu bewältigende Probleme in der Umsetzung der Inklusion spricht. Genannt werden u.a. die Gruppenstärken in den Kitas, die zu ändernde VV Unterrichtsorganisation, die Ausstattung in den FLEX-Klassen, das fehlende Konzept für den Sek.I und II Bereich, bauliche Veränderungen usw.

 

Nachdem alle Personen im Podium ihren Standpunkt zur Umsetzung und zu den Problemen der Umsetzung der Inklusion dargelegt hatten, kam es zu einer regen Diskussion mit den angereisten Vertretern aus Schulen (Lehrern und Schulleitern), der Bevölkerung, Betroffenen, Vertretern der Stadtverwaltung Cottbus und Ergotherapeuten.

Aus den Beiträgen war zu entnehmen, dass viele Probleme in der Umsetzung auftreten, dass die Koordination aller daran beteiligten Personen und Institutionen noch besser zu koordinieren ist, das die Lehrerkollegen in den Schulen von den Aufgaben, die das MBJS erlässt teilweise überfordert und allein gelassen werden und dass vor allem die materiellen, räumlichen und personellen Mittel nicht ausreichend sind.

Die fehlenden Konzepte zur Umsetzung, zur Ausstattung, zur Bewertung usw. von Seiten des Ministeriums wurden ausdrücklich beanstandet.

 

Alle zu Wort gekommenen Vertreter bekundeten den Willen zur Umsetzung der Inklusion, mussten aber feststellen, dass bisher keinesfalls von einer umfassenden Bewältigung der Aufgaben gesprochen werden kann.

Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, in den Köpfen der Menschen ist da noch nicht viel passiert.

 

Der moderierende Journalist Andreas Groebe sprach davon, dass viele Journalisten von diesem Thema in den Medien Abstand nehmen, da das Thema zu umfassend ist und es deshalb schwer fällt, in einem 25 Sekundenbeitrag oder in wenigen Sätzen das Thema zu bearbeiten.

 

Frau Burdack als Kreissprecherin des BPV-OSL äußerte sich ebenfalls zu diesem Thema:

„Seit Beginn meiner beruflichen Tätigkeit als Lehrerin vor 27 Jahren arbeite ich an Hilfsschulen / Förderschulen, ich denke, das beweist, dass ich immer für Förderschüler, also für Schüler mit einer Behinderung da war, d.h. diesen Beruf habe ich mir bewusst gewählt, habe also schon immer „ein Herz“ für die Schwächeren in der Gesellschaft gehabt.

Auf Grund meines Berufes werden sie verstehen, wenn ich beim Inklusionsthema mehr auf den Bildungsbereich eingehe, als auf andere Bereiche in unserer Gesellschaft.

Ich habe den Eindruck/denke, dass der Inklusionsgedanke in Brandenburg und hier speziell im Bildungsbereich zum Umsetzen von Sparzielen genutzt wird:

Die Schülerzahlen sinken, => Schulen müssen geschlossen werden, da finanzielle Belastungen in jeder zu erhaltenden Schule vorhanden sind. Diese Belastungen kann man einsparen, wenn man Förderschulen schließt und diese Schüler auf die Regelschulen verteilt (nebenbei: Förderschüler und deren Eltern haben keine Lobby, Widerstand ist kaum zu erwarten).

Des weiteren denke ich, dass die in diesem Bereich in den vergangenen Jahren nicht durchdachte Politik der fehlenden Ausbildung und Einstellung von Lehrern aller Fächerkombinationen, speziell natürlich auch der Sonderpädagogen ausgebügelt werden soll, denn mit der Schließung von Förderschulen werden ja Lehrerkollegen und Sonderpädagogen „frei“ :

Fakt ist,
a) ab den nächsten Schuljahren werden auch in unserer Region Lehrer fehlen, auf Grund der Altersstruktur (der Altersdurchschnitt der Lehrer in Brandenburg war laut Schulressoursenkonzept von 2011 52!; 58,3 % waren über 50 Jahre; 31,61% über 55 Jahre alt, diese Kollegen werden den Schuldienst innerhalb der nächsten 5 Jahre verlassen)
b) und durch die stetig steigende Aufgabenverdichtung werden sich die Zahlen der Kranken und Langzeitkranken weiter erhöhen.

 

Inklusion bedeutet ja auch Abschaffung der Selektion: Warum werden dann die Schüler mit (angeblich) höherem IQ weiterhin selektiert und das schon teilweise durch die LuBK’s ab der 5. Klasse? Haben Gymnasien in der jetzigen Form im Rahmen der Inklusion ihre Berechtigung?

Mein Vorschlag wäre, sich an dem Finnischen Bildungssystem zu orientieren und die Schüler erst nach der 9. Klasse zu „sortieren“ (bis dahin also wirklich Inklusion zu betreiben): gymnasiale Stufe; weitere Berufsvorbereitung - Schulbildung; Eintritt in das Berufsleben  könnten danach erfolgen.

Aber machen sie das mal den Schülern und Eltern der Gymnasien schmackhaft, hier ist eine andere Lobby vorhanden.

 

Natürlich würde dann in der Schulzeit bis zur 9. Klasse auch gefördert und Begabte gefordert werden, dazu wären dann aber kleinere Klassen und in jeder Klasse mind. 2 Pädagogen nötig (neben Sozialarbeitern, Einzelfallhelfern, Hilfskräften aus dem sozialen Bereich usw.), dann kann man auch wirklich auf das Sonderpäd. Feststellungsverfahren verzichten, denn dann wären ja die nötigen Voraussetzungen geschaffen.

Aber das kostet Geld und Geld hat Brandenburg bekanntlich nicht im Überfluss.

Da frage ich mich, warum Brandenburg im Bereich der Inklusion unbedingt eine Vorreiterrolle spielen muss? Die reicheren Bundesländer halten sich da schön zurück.

Die UN-Konvention hat Deutschland vor 5 Jahren unterschrieben, also denke ich der Bund hat hier auch Aufgaben zu tragen – das ist in anderen Bereichen unserer Gesellschaft vielleicht schon der Fall – aber der Bildungssektor ist leider nun mal Ländersache – dank der Förderalismusreform. Es gibt bisher keine Verständigung darauf, die Mittel von Bund und Ländern für eine gelingende Inklusion zu bündeln.

 

(aus  dem VBE-Bericht zum)
Stand der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention vom 20.09.13

  • Zitat: Brandenburg im 2. Jahr als Pilotprojekt. 5% der Schüler gelten als Beeinträchtigte. Das Ziel der flächendeckenden Einführung bis 2015 ist verschoben.
    5% der Schüler haben Beeinträchtigungen, das ist die Messzahl für die Pilotschulen, die Inklusion „betreiben“.
    Bedenkt man bei dieser Durchschnittsrechnung auch, dass bildungsnahe Elternhäuser nach der Wende unsere Region verlassen haben oder wenn sie hier blieben und bleiben sich derzeit hauptsächlich für Ein-Kind-Ehen entscheiden?
    In bildungsfernen Familien sieht das ganz anders aus, hier unterrichte ich jetzt oft schon die 2. Generation und weiß deshalb, wovon ich spreche.
  • Zitat: Förderschulen bleiben, aber sollen geschlossen werden, wenn die Schülerzahl nicht ausreicht. Frei werdende Sonderpädagogen sollen an anderen Schulen eingesetzt werden:
    Förderschulen sollen geschlossen werden, wenn die Schülerzahl nicht ausreicht. Ich beobachte im Schulamtsbereich Cottbus, das bewusst die Schülerzahlen nicht mehr erricht werden können, da vorhandene Förderschüler in den unteren Klassen nicht zugewiesen werden, da das Amt sich bewusst an Klassenbildungszahlen hält, um die Schüler nicht in die FS zu lassen (BSP: eine Zuweisung direkt nach einer Feststellung ist nicht möglich, da eine Klasse in diesem Jahrgang an der zuständigen FS nicht gebildet wurde, was heißt, Kind wird inkludiert, neue Klassen können an FS nicht gebildet werden. Diese Antwort wird vermutlich mehrfach gegeben, die betroffenen Eltern wissen nicht voneinander).
    In anderen Schulämtern in Brandenburg gibt es sehr wohl noch 2. 3. und 4. Klassen, auch jahrgangsübergreifend wird unterrichtet, bei uns ist das nicht mehr gewollt.
  • Zitat: Seit 20 Jahren werden keine Sonderpädagogen ausgebildet. Jetzt wird die Weiterbildung für Sonderpädagogen ausgebaut: 
    Ein Studium dauert mind. 5 Jahre, erst dann sind die neuen Sonderpädagogen auf dem Markt; wenn sie denn in Brandenburg bleiben…

   

  • Wenn eine Privatperson ein Haus bauen möchte (Frau Ministerin sprach des Öfteren vom Haus der Inklusion), macht sie sich einen Plan: sondiert den Aufwand, überrechnet Kosten, hat einen Bauplan, sucht sich entsprechende Handwerker zur Ausführung des Plans usw.

  • In Brandenburg wird das Haus der Inklusion ohne Plan gebaut, man könnte sagen, es werden Versuche am lebenden Kind vollzogen:

 

Inklusionspilotschulen werden ins Leben gerufen, dann wird erst einmal ein Konzept zum Aufbau/ Inhalt der Pilotschulen geschrieben, dann wird ein Konzept für die Evaluation der Arbeit an den Pilotschulen geschrieben, dann werden die Rahmenpläne überarbeitet, die Bewertung der Schülerleistungen sind jetzt erst zu erproben.

Diese Punkte sind bis heute noch nicht vollständig vorhanden, obwohl schon im Schuljahr 12/13 Pilotschulen starteten.

Mit dem Wissen um die oben schon genannte Altersstruktur wird von den Kollegen während der Erprobungsphase ein 60-80 Stunden Weiterbildungsprogramm in der Freizeit abverlangt.

Diese Kollegen haben sich fast in jedem Schuljahr mit Veränderungen des Schulgesetzes, neuen VV, zu überarbeitenden Rahmenplänen, Einführung und Umsetzung von FLEX, Veränderungen in der Unterrichtsorganisation usw. herumplagen müssen, eigentlich wollen sie guten Unterricht planen und durchführen, doch dazu sind sie nur unter großen Verlusten in der wohlverdienten Erholungsphase (Freizeit) gekommen… so Kurt Beckmann (Bundesvorsitzender des VBE) auf dem Norddeutschen Lehrertag.

 

Die vorhandenen Sonderpädagogen werden erst nach und nach umgesetzt (im Übrigen aus den noch existierenden Förderschulen abgezogen), ist das in Ordnung so?

 

Ich wünsche mir von der Politik, das sie wieder weitreichender denkt und plant und nicht nur für die nächste Legislatur Aufgaben angeht.

Und ich wünsche mir Fachkompetenz. Sicher kann nicht in jedem Bereich ein Fachmann politische Aufgaben übernehmen – die dazu bereiten Personen fehlen ja manchmal auch.

Aber bei den Fachleuten nachfragen geht immer.

 

Kein Arzt würde es mir erlauben, eine medizinische Diagnose zu stellen, aber in der Bildung können alle mitreden.“

 

Die Veranstaltung wurde von dem Forenleiter Herrn Torsten Lauterbach mit dem Ausblick beendet, dass zu diesem Thema sicher noch weitere Veranstaltungen folgen müssen.

  


Kurz ein paar Gedanken zur Inklusionsveranstaltung am 07.05.14

Von Brigitta Jäpel, Förderschullehrerin a.D.

 

Mich machte neugierig, was eine „Stiftung für die Freiheit“ mit unserem, so brennenden Thema „Inklusion“ verbindet. Und – da ich ja mal Zeit fand, wollte ich mir das mal anschauen!!!

Scheinbar waren die Teilnehmer bunt gemischt aber überwiegend wohl Lehrer. Ziel der Veranstaltung schien es zu sein, darzulegen, dass Inklusion nicht nur Schule sondern die gesamte Gesellschaft umfasst.

Es ist richtig, mit verschiedenen Interessengruppen ins Gespräch kommen zu wollen um wirklich das gesamtgesellschaftliche Anliegen zu verdeutlichen und gemeinsame Wege zu finden.

Die Inklusionsbeauftragte des Landkreises Oberspreewald – Lausitz hat oberflächliche theoretische Floskeln dargeboten, die in keiner Weise darlegten, wie der Landkreis Inklusion voranbringt.

Der Dezernent hat erläutert, wie er in der Vergangenheit seine Schulen baulich aufgerüstet hat und es nur wenige gibt, die ohne Fahrstuhl sind.

Der Behindertenbeauftragte des Landes hat in ansprechenden Worten mit guter Rhetorik verdeutlicht, dass er die Teilhabe aller Menschen jeden Alters am gesellschaftlichen Leben meint und viele Beispiele aus der Sicht blinder und sehbehinderter Menschen angeführt.

Klare Worte zur misslichen Situation in Kindereinrichtungen und Schulen in Bezug auf Inklusion in unserem Land und dem unverständlichen Handeln auf politischer Ebene dazu fand der bildungspolitische Sprecher der FDP- Fraktion. Seine Redebeiträge zeugten von Kompetenz.

Frau Burdack zeigte in ihrem Beitrag viele Kritikpunkte auf, wie sie uns alltäglich in der Schullandschaft bei der „Umsetzung der Inklusion“ begegnen. Das war dem anwesenden schulischen Fachpersonal einen heftigen Applaus wert.

Die kulturpolitische Sprecherin der SPD (ehemalige Schulleiterin im Landkreis OSL!) war „der Ritter von der traurigen Gestalt“. Vielleicht hätte sie lieber Pastor werden sollen, um in der Kirche ihre Schäfchen mit solchen Plattitüden zu beglücken.

Die Diskussion wurde von den Lehrern bestritten, die alle den gleichen Tenor hatten:

Keine Ablehnung der Inklusion aber so nicht! Jeder Beitrag zeigte Missstände auf, die die Inklusionsbestrebungen in unserem Bundesland begleiten. Schwerpunkte waren fehlendes Konzept und fehlende Ausfinanzierung durch das Ministerium.

 

Ich konnte als Fazit der Tagung keine „Wegweiser“ stehen sehen,

keinen Diskussionsredner ausmachen, der über die Kompetenz verfügt, der die Sache der Inklusion sachgerecht und zielführend beeinflussen könnte.

Der Behindertenbeauftragte machte den Grundsatz deutlich, der auch mir „alten Hasen vom Fach“ am Herzen liegt: Jeder sollte die Förderung, Hilfe und Begleitung erhalten, die er benötigt, damit seine Persönlichkeit sich weiter entwickelt und sie seinen Bedürfnissen entspricht, damit die Teilhabe an der Gesellschaft gewährleistet ist.

Es ist unverantwortlich, wie mit den wissenschaftlichen Definitionen „kooperatives Lernen“, „gemeinsames Lernen“, „integratives Lernen“, „Inklusion“ umgegangen wird. Schöne anschauliche Darstellungen boten die Gleichnisse vom „Häuslebau“: Zunächst muss ich mir das Haus leisten können, welches ich bauen will und danach muss ich es vom Grunde her errichten und erst dann die Gardinen aufhängen.

Das war´s in Kürze von mir, die es nicht lassen kann.