Brandenburgischer Pädagogen-Verband


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Brandenburgischer Pädagogen-Verband
Landesverband des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE)
Mitglied im Bündnis für Brandenburger Pädagoginnen und Pädagogen

 

 

 

8. Verbandstag des Brandenburgischen Pädagogen-Verbandes
Antrittsrede des neu gewählten Präsidenten Torsten Tappert

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Kolleginnen und Kollegen!


Am 30.10.2010 wurde ich zum neuen Präsidenten unseres Verbandes gewählt.

Mir ist es wichtig, dass Sie mich ein wenig kennen lernen. Ich bin 44 Jahre alt und alleinerziehender Vater einer jetzt 18 jährigen Tochter. Ursprünglich bin ich Lehrer für Polytechnik, nach der Wende habe ich Informatik, Politische Bildung und Technik für die Sekundarstufe 2 studiert. Ich bin Schulleiter einer Gesamtschule in Eisenhüttenstadt. Seit 01.09.1990 Mitglied im BPV, seit Oktober 2009 Vorsitzender des Kreisverbandes LOS.


Die nächsten Jahre werden unser Bildungssystem verändern. Wir haben die Chance, daran mitzuwirken.
Dabei habe ich folgende Ziele:

  • Ausbau eines tragfähigen Finanzierungskonzeptes des BPV

  • Veränderung der äußeren Akzeptanz des Lehrerberufes

  • Dem Bildungsministerium bei der Anpassung unseres Systems Schule an sich verändernde Gegebenheiten unterstützen und nötigenfalls auch auf die Füße treten


Ausbau eines, auch in der Zukunft, tragfähigen Finanzierungskonzeptes des BPV

Es stellt sich die Frage, wie können wir mehr Kolleginnen und Kollegen für die Gewerkschaftsarbeit begeistern? Wir können uns glücklich schätzen, dass unsere Arbeit ehrenamtlich geleistet wird. Viele Mitglieder opfern ihre Freizeit und helfen mit, einen funktionsfähigen Verband zu gestalten. Wir müssen aber weiter wachsen. Dies ist zwingend, um unseren bisherigen Einfluss zu behalten und auszubauen. Ich rufe auf, sprecht mit unseren neuen Kolleginnen und Kollegen, begeistert sie für eine Verbandsarbeit!

Helft mit, dass unsere Öffentlichkeitsarbeit verbessert wird! Mischt euch ein, schreibt mir Eure Probleme!


Veränderung der äußeren Akzeptanz des Lehrerberufes

Wir Lehrer können in der Wahrnehmung von außen etwas, was andere nicht können. Deshalb bekommen wir Ressourcen (Geld). Diese Alimentation ist im Vergleich mit vielen Industriestaaten recht hoch. Das ist auch richtig so, sonst könnte das ja jeder machen. Aber dieser Verantwortung müssen wir uns tagtäglich stellen und deutlich machen, dass das, was wir machen, kein anderer kann.

Wir haben unsere Ausbildung ja nicht auf dem Hamburger Fischmarkt erworben. Die verantwortungsbewusste Arbeit mit Kindern verlangt eine solide Ausbildung, egal in welchem Bildungsbereich unserer Gesellschaft.


Dem Bildungsministerium bei der Anpassung unseres Systems Schule an sich verändernde Gegebenheiten unterstützen und nötigenfalls auch auf die Füße treten.

Lassen Sie mich hierzu einige Beispiele aufzählen:

Schule hat die Aufgabe, die uns anvertrauten Kinder- und Jugendlichen so zu bilden und zu erziehen, dass sie in einer heutigen heterogenen Gesellschaft bestehen können. Grundlage dieser Integrationsfunktion sind Standards. Wir sollten damit nicht nur, wie in den letzten Jahren, den Input eines Schülers betrachten, sondern über Rückkopplung – nicht nach dem Prinzip Hoffnung – auch den Output. Dazu gehören moderne Konzepte.

Diesen modernen Konzepten müssen wir uns stellen und nicht verweigern. Dabei sollten wir behutsam vorgehen und nicht jeden Tag eine neue Sau durch die Schule jagen. Solide Arbeit muss sich nicht immer an den Ideen dummer Politiker orientieren.


Wir Lehrer besitzen keine Unterschichtsdidaktik. Wir haben alle die Hoffnung, keine/wenige „auffällige“ Schüler in der Klasse zu haben. Sind sie doch häufiger vorhanden, verzweifeln wir bzw. ziehen uns zurück. Da hat der Dienstherr die Pflicht, genügend Ressourcen bereitzustellen, um Fortbildungen zu realisieren. Und nicht nur ORT und Thema der Fortbildung, sondern auch alle Kosten der Fortbildung.

Was ist das für ein irres System, in dem „Faule“ belohnt werden und innovative Lehrer die Kosten für Fortbildung, Klassenfahrten oder Dienstreisen selbst tragen müssen. Das muss und wird sich ändern!
Dafür werde ich mich einsetzen.


Wenn das Bildungsministerium die Förderschulen auflösen will und damit die Schüler in die Allgemeinschulen integrieren möchte, so ist das eine löbliche Angelegenheit.

Schon insofern, dass Deutschland von der UNO dazu gezwungen wird, dies zu tun.

Ich werde mich dem nicht verweigern.

Dann müssen aber auch die entsprechenden Ressourcen in die Schulen gegeben werden. Das Bildungsministerium muss gezwungen werden, seine eigenen Verwaltungsvorschriften einzuhalten bzw. diese auch in ihrer Vielfalt zu begrenzen, um Kontinuität an den Schulen zu ermöglichen.

Welcher Lehrer hat 19 bzw. 23 Schüler in einer Klasse, in der einige Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf sitzen? Welche Schule bekommt die in der VV Unterrichtorganisation festgelegte Stundenzuweisung für Schüler mit Förderbedarf? Welche Schule verfügt über ausgebildete Fachkräfte zur individuellen Förderung? Solange diese Fragen nicht geregelt sind, werde ich mich mit aller Kraft gegen eine zusätzliche Belastung der Lehrkräfte wehren.

Sie sehen, es gibt viel zu tun.

Deutschland ist eine alternde, womöglich bereits überalterte, reiche und satte Gesellschaft. Schon Cicero behauptete, dass solche Gemeinwesen zur Mäkligkeit, zum Veränderungsunwillen, zur Status-quo-Versessenheit neigen. Alles soll so bleiben, wie es ist. Veränderungen sind immer mit Anstrengungen verbunden. Da macht das Bildungswesen keine Ausnahme.

Nur Lehrkräfte, die sich auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren dürfen, den Unterricht also, können diese Aufgabe auf die Dauer mit professioneller Effizienz erfüllen. Wer Sozialarbeiterin, Psychologin, Klassenlehrerin und Speziallehrerin in einer Person sein soll, kann keines davon so sein, dass das Resultat die Bedürfnisse der Schüler und der Gesellschaft befriedigt. Das Burn-out-Syndrom bedroht jede Lehrkraft, die einen solchen Spagat versucht.

Deshalb halten wir alle zusammen, gehen offensiv an eine Verbesserung heran, helfen uns gegenseitig, auch wenn viele den Glauben an eine bessere Zeit verloren haben.


Ich werde Präsident aller Lehrer sein. Ich mache in der Profession keinen Unterschied, in welcher Schulform gearbeitet wird. Ich bin dankbar für jede Anregung aus den einzelnen Schulformen.
Mein Einsatz gilt allen.


In diesem Sinne: Auf gute Zusammenarbeit!


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